Worst Performing Buildings: Risiko und Pflicht zur Sanierung

Gebäude mit extrem niedriger energetischer Effizienz sogenannte Worst Performing Buildings (WPB) geraten zunehmend in den Fokus von EU-Regulatorik, Förderprogrammen und ESG-Risikoanalysen. Für Immobilienprofis ist die frühzeitige Identifikation solcher Objekte entscheidend, um Sanierungsdruck, CO₂-Belastung und Wertverluste zu vermeiden.

Wann ein Gebäude als WPB gilt

Laut Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zählen Gebäude zu den WPBs, wenn sie energetisch zu den schlechtesten 25 % des Bestands gehören. Die Einstufung erfolgt anhand folgender Kriterien:

  • Energieausweis: z. B. Effizienzklasse H oder ein Endenergieverbrauch über 250 kWh/m²a

  • Gebäudealter & Zustand: Vor 1957 errichtete und unsanierte Gebäude mit über 75 % ungedämmter Außenwandfläche

Diese Einteilung dient nicht nur als Fördergrundlage, sondern hat zunehmend auch Bedeutung für ESG-konforme Portfoliosteuerung, insbesondere bei Nichtwohngebäuden, wo energetische Transparenz regulatorisch gefordert wird.

EU-Richtlinie EPBD: Pflichten zur Sanierung von WPBs

Die überarbeitete EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) verpflichtet Mitgliedstaaten zur energetischen Sanierung der ineffizientesten Gebäude. Ziel ist ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050.

Wesentliche Vorgaben:

  • Nichtwohngebäude: 16 % der energetisch schlechtesten Gebäude bis 2030, 26 % bis 2033 zu sanieren

  • Wohngebäude: Durchschnittlicher Primärenergieverbrauch des Bestands ist schrittweise zu senken, schwerpunktmäßig durch WPB-Sanierungen

Die nationale Umsetzung erfolgt u. a. über das Gebäudeenergiegesetz (GEG) sowie die Förder- und Steuerstrategie des Bundes. Damit entsteht ein klarer Handlungsrahmen für Eigentümer und Bestandshalter.

ESG-Risiken frühzeitig erkennen

ESG steht für Environmental, Social, Governance – also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Diese Kriterien dienen in der Immobilienwirtschaft der Bewertung von Nachhaltigkeit, Klimarisiken und regulatorischer Konformität. WPBs gelten als ESG-Risikofaktor, weil sie energetisch ineffizient sind, hohe CO₂-Emissionen aufweisen und unter wachsenden gesetzlichen Druck fallen.

Sie wirken sich negativ auf ESG-Ratings, Finanzierungskosten und Marktfähigkeit aus. Typische Risiken sind:

  • Regulatorischer Druck: Zwangssanierungen, Verlust der Vermietbarkeit

  • Finanzielle Belastung: Steigende Betriebskosten, CAPEX-Erfordernisse

  • Stranded Assets: Wertverlust durch fehlende Sanierungsperspektive

Energieausweise sind zentrale Datenträger für die Risikobewertung. Tools wie ImmoProQ ermöglichen eine automatisierte Klassifizierung auf Objekt- und Portfolioebene – inklusive ESG-Kennzahlen, CO₂-Intensität und Sanierungsbedarf. Das Tool enthält zudem die neue Worst‑Performing‑Building‑Förderkategorie und integriert automatisch relevante Zuschüsse, wenn ein Objekt die Kriterien erfüllt, und unterstützt so die wirtschaftliche Bewertung und strategische Planung.

CO₂-Bilanz: WPBs als Emissionstreiber

Worst Performing Buildings gelten als Hauptverursacher von CO₂-Emissionen im Gebäudebestand. Studien zeigen, dass die schlechtesten 25 % der Gebäude einen überproportionalen Anteil an Energieverbrauch und Emissionen verursachen. Ihre Sanierung ist daher einer der wirksamsten Hebel zur Erreichung der Klimaziele 2045 und 2050.

Sanierte WPBs reduzieren die Emissionslast einzelner Portfolios erheblich und stärken die ESG-Konformität im Sinne der EU-Taxonomie sowie der Offenlegungsverordnung. Gerade für institutionelle Investoren spielt dieser Hebel bei der Dekarbonisierung eine zentrale Rolle.

Förderungen gezielt nutzen

Die BEG-Förderung sieht für WPB-Sanierungen einen 10 % Tilgungszuschuss vor, zusätzlich zu anderen Förderkomponenten:

  • Kombinierbar mit Einzelmaßnahmen und Nachhaltigkeitsboni

  • Förderfähig bei Nachweis über Energieausweis oder Gebäudebeschreibung

  • Ziel: Transformation statt Abriss

Fazit

Worst Performing Buildings sind mehr als nur energetisch ineffizient – sie stehen für regulatorischen Handlungsdruck, Emissionsrisiken und eingeschränkte Zukunftsfähigkeit. Wer WPBs heute systematisch identifiziert, kann morgen gezielt sanieren, Fördertöpfe nutzen und ESG-Vorgaben erfüllen. Die Kombination aus Datenanalyse, Energieausweis-Auswertung und passenden Tools wie ImmoProQ bietet die Grundlage für nachhaltiges Portfoliomanagement, auch unter verschärften gesetzlichen Rahmenbedingungen.

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Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall dar. Bitte lassen Sie die Sachverhalte in Ihrem konkreten Einzelfall von einem Rechtsanwalt und/oder Steuerberater klären.

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Kerstin Hübner

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